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Lückenfüller
Planen, schulen, Geschichte schreiben
Patrick von Gunten musste seine Karriere im Januar nach zwölf Jahren beim EHC Kloten abrupt beenden. An der WM 2020 im eigenen Land ist er trotzdem dabei – in besonderer Funktion


Patrick von Gunten wird an der WM 2020 einen speziellen Job übernehmen. (Bild: Michele Limina)

Nein, kribbeln tut es nicht mehr. Die Zeit, in der Patrick von Gunten das Eishockeyspielen vermisste, sie ist vorbei. Vielleicht auch, weil es gar keine Alternative gegeben habe: «Ich frage mich nicht, ob der Rücktritt richtig oder falsch war. Ich habe heute noch so viele körperliche Probleme und weiss, dass es nicht mehr gegangen wäre.»

Ein Dutzend Jahre war von Gunten einer der besten Offensiv-Verteidiger des Landes, von 2006 bis 2018 mit Ausnahme einer Saison in Göteborg stets bei Kloten. Für die Zürcher war er so unverzichtbar, dass er sich seit seiner Rückkehr 2012 nie um eine Vertragsverlängerung sorgen musste. Dann im Januar 2018 die Hiobsbotschaft in Form eines Communiqués: Von Gunten müsse seine Karriere wegen chronischer Hüft- und Rückenprobleme beenden. Er war noch nicht einmal 33.

Für die Eishockey-Schweiz kam dies überraschend, für ihn weniger, sagt er heute: «In diesem Moment war ich im Verarbeitungsprozess schon ziemlich weit. Seit Dezember hatte ich mich immer konkreter damit auseinandergesetzt.» Viele Diskussionen waren vorausgegangen, mit den Leuten aus dem engsten Umfeld, mit den Ärzten, mit dem Club, mit der Versicherung.

Die Leidenszeit hatte vorher begonnen. Jedes Mal, wenn er in den Kraftraum ging, musste er Angst haben, sich zu verletzen. Jede Blessur war ein Schritt auf dem Weg zum sportlichen Frührentner. «Mit jeder Verletzung bin ich etwas langsamer geworden, konnte mein Niveau nicht mehr halten», beschreibt er den Teufelskreis. «Ich dachte, ich könnte die Saison vielleicht noch beenden. Ein weiteres Sommertraining wäre aber schwierig geworden. Als ich mich dann im Januar noch einmal verletzte, war ich auch mental erschöpft.»

Von 100 auf 0 – das Adrenalin kann man nicht ersetzen

Plötzlich hiess es: von 100 auf 0. Das Adrenalin fehlte, Ersatz war nicht in Sicht. Damit hatte er aber auch nicht gerechnet: «Wer das sucht, der hat ein Problem, es gibt nichts, was man vergleichen kann. Man steht dreimal pro Woche unter Druck, erlebt dies mit der Mannschaft. Das ist einzigartig.»

Er klingt jetzt fast etwas distanziert. Natürlich war es für ihn anfänglich nicht leicht gewesen, speziell, als er die Sachen aus der Garderobe holte: «Ich ging ein letztes Mal aufs Eis, mit meinem Kleinen, habe die Taschen gepackt und bin gegangen. Das tat schon weh.» Er blieb nahe beim Team, verabschiedet hat er sich mit einem Essen in der Garderobe und später mit einem Grillfest, zu dem auch andere Wegbereiter geladen waren.

Geblieben ist aus der Aktivzeit vieles: «Erinnerungen und Kollegen, die man für das ganze Leben gewonnen hat.» Natürlich auch die vielen schönen Momente wie WM-Silber in Stockholm, die Olympischen Spiele in Vancouver, mehrere Playoff-Finals, aber auch der Cupsieg: «Auch wenn es nur der Cup war: Das Stadion war ausverkauft, die Leute waren aus dem Häuschen.» Und nicht zuletzt die beiden Titel mit Biel bei den Junioren. Aus jener Zeit ist eine Tradition geblieben: «Etwa zehn von uns gehen am 24. Dezember immer gemeinsam Eishockey spielen.»

Im Übergang profitierte er davon, dass er stets über den Eisrink hinausgedacht hatte. 2006, direkt nach seinem Wechsel aus Biel, wo ihn Anders Eldebrink entdeckt hatte, hatte er mit dem Bachelor begonnen, und nun machte er erste Versuche im Eishockeybusiness. Er arbeitete im Videoteam der Nationalmannschaft, begann, Kolumnen für das «Bieler Tagblatt» zu verfassen und ist auch sonst im Eishockey präsent. In dieser Saison besuchte er schon Spiele in Zürich, Kloten, Zug und Lausanne.

«Ich schaue Spiele gerne live», sagt er und schmunzelt: «Auch meiner Frau ist das lieber.» Der Stressfaktor ist weg, die Partien sind für ihn entspannend, gerade die Ausgeglichenheit schätzt er: «Als objektiver Beobachter würde ich mir wünschen, dass vor der letzten Runde noch jedes Team um die Playoff-Qualifikation zittern müsste.» Er kann es auch etwas lockerer sagen, weil Kloten inzwischen in der Swiss League spielt.

Von Guntens Tage sind ausgefüllt, derzeit schreibt er seine Diplomarbeit für den «Master of Science in Sports» mit Ausrichtung in Spitzensport in Magglingen. Ein Kurs, in dem er viel über Geldflüsse lernt, wie das Schweizer Sportsystem aufgebaut ist, aber auch über Sportpolitik in anderen Ländern: «Es ist ein cooler Lehrgang.»

An der WM wird er einen 150-Prozent-Job haben

In dieser Zeit entstand auch sein aktuelles Engagement: Gian Gilli, OK-Präsident der WM, hielt an der Schule einen Vortrag, von Gunten rief ihn später an und fragte, ob in der Organisation ein Job frei sei. Bald darauf wurde er zum Chef der Volunteers, gemäss dem WM-Motto und neudeutsch «History Makers». Bis Jahresende ist es ein 60-Prozent-Mandat, von Januar bis zur WM dann ein Vollzeitjob und «während der WM sind wir wohl bei 150 Prozent».

Im Moment sei es noch relativ ruhig, sagt von Gunten, aber bald werde es intensiver: «Planung, Schichten einteilen, selektionieren. Schulungen machen, es gibt viel zu tun.» 1950 Personen haben sich angemeldet, weit mehr als erwartet. Auf die kommenden Monate freut er sich sehr: «Die History Makers sind sehr motiviert und bringen viel Energie mit. Sie sind quasi die Visitenkarten der WM.»

Wenn am 8. Mai am ersten Spieltag zwischen der Schweiz und Russland der Puck eingeworfen wird, wird von Gunten irgendwo im Hallenstadion sitzen. Es wird kribbeln, aber anders als früher: «Natürlich wäre es am schönsten gewesen, mitzuspielen. Aber jetzt werde ich mitfiebern, dass das Team möglichst erfolgreich spielt.»

Wie es danach weitergeht, ist noch unklar. Anfänglich dachte er, sein Weg müsse fast im Eishockey liegen, davon ist er aber abgekommen: «Es könnte auch Fussball sein, eine Sportorganisation oder vielleicht sonst etwas in der Wirtschaft.» Bange muss Patrick von Gunten nicht sein, seine Anpassungsfähigkeit hat er bereits unter Beweis gestellt.
 

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Stammspieler
Kein Gegner soll sich mehr auf Kloten freuen

David Stämpfli verleiht der Defensive des EHC nicht nur Stabilität, sondern er bringt auch die gesunde Portion an Physis mit.

Als im vergangenen Frühjahr die Verpflichtung von David Stämpfli offiziell wurde, löste das bei Klotener Fans Glücksgefühle aus. Denn am gleichen Abend erzielte Stämpfli für La Chaux-de-Fonds, das er als Captain führte, zwei Treffer. Man war sich sicher: Das ist ein guter Transfer. Die bisherige Saison zeigt, dass die Einschätzung zu vorsichtig ausgefallen war. Denn der Verteidiger, in der Vorbereitung verletzt, ist mehr als nur ein guter Zuzug. Er ist eine hervorragende Verstärkung.

Tatsächlich trägt Stämpfli enorm viel dazu bei, dass Klotens Defensive so schwer zu überwinden ist. Die Zweikämpfe, die er bisher verloren hat, kann man an einer Hand abzählen. Der 28-Jährige sagt, dass «die Härte Teil meines Spiels ist». So fiel er den Klotener Anhängern wohl auch ein erstes Mal auf – und nicht gerade positiv. Als er im Frühjahr 2018 im Team HC Ambri-Piotta aushalf, musste er zwei Spielsperren absitzen, wegen eines Checks gegen den damaligen Klotener Daniele Grassi.

Verhandeln ohne Agent

Was er bisher mit Kloten gezeigt hat, hat indes nichts von unfairem Spiel. «Es ist mein Ziel, weniger Strafen als früher zu holen. Ich will meine Härte gezielter einsetzen», erklärt er. Denn es nütze dem Team ja nichts, wenn er zu oft auf der Strafbank sitze. Stämpfli hat mit seiner Spielweise indes schon den einen oder anderen Gegenspieler genervt, diese Saison am offensichtlichsten Guillaume Asselin. Sierres Kanadier traktierte Stämpfli auf jeden Fall Anfang Oktober in Kloten vor den Augen des Schiedsrichters mit einem wenig feinen Stockendstich bereits im ersten Drittel. Stämpfli war darüber selber überrascht, wie er heute sagt. Sie hätten zwar ein kleines Rencontre in der Ecke gehabt, «aber nichts Gravierendes».

Nach vier Jahren in La Chaux-de-Fonds sah Stämpfli im vergangenen Winter die Zeit gekommen, noch einmal einen Schritt in seiner Karriere zu machen. Er suchte den Kontakt mit Klotens Sportchef Felix Hollenstein, und der suchte gleichzeitig Kontakt mit Stämpfli. Einen Agenten will Stämpfli nicht mehr als Hilfe, für ihn stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis bei diesen Dienstleistungen nicht. Also hat er seinen Wechsel selber organisiert. In seiner Zeit mit La-Chaux-de-Fonds, aber auch in den wenigen NLA-Partien mit Zug (2014/15) oder Biel hat er eine Erfahrung gemacht: «Alle haben sich gefreut, gegen Kloten zu spielen. Man wusste, dass da zwar ein talentiertes Team wartet, aber eines, das die Härte nicht so mag.» Stämpfli sieht einen Teil seiner Aufgabe am neuen Ort darin, daran etwas zu ändern. Kein Gegner soll sich mehr auf Spiele gegen Kloten freuen dürfen.

Defensive Mängel behoben

David Stämpfli ist nicht nur in Sachen Agenten eine Ausnahme im Eishockey-Geschäft. Die Freizeit mit Herumliegen oder «Gamen» zu verbringen, das ist vorbei. Für ihn gibt es neben dem Sport noch genügend Zeit, etwas anderes zu tun. Er hat sich zum Betriebsökonomen ausgebildet, diese Woche schickte er die Schlussarbeit ab. Auch in ihr befasste er sich mit Sport und Beruf, es geht um die Vorbereitung auf die Zeit nach der Karriere.

Luzern, Herisau, Zug, Weinfelden, Visp, GCK Lions (Meistertitel mit den Junioren), Ajoie und La Chaux-de-Fonds waren Stämpflis bisherige Stationen, dazu kamen B-Lizenz-Einsätze für Biel und Ambri-Piotta. In der Saison 2013/14, die er mit Ajoie bestritt, avancierte er zum produktivsten NLB-Verteidiger, er erhielt beim EVZ einen NLA-Vertrag. Aber er war da auch schon deutlich über 20, die Geduld mit dem Neuen hielt sich im Rahmen. Vielleicht sei er als Offensivverteidiger für die NLA zu wenig gut gewesen, sagt Stämpfli im Rückblick, «und defensiv habe ich damals noch einige Mängel aufgewiesen». Die hat er definitiv behoben. Heute geht er stets mit dem Ziel in den Match: «Zu null spielen.»

Und an seinem neuen Arbeitsort hat er es selbst in der Hand, doch noch einmal in seiner Karriere in der NLA aufzutreten.

Quelle: Zürcher Unterländer
 

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Stammspieler
Finde ich noch interessant, dass es seit dem Ausrüstungswechsel aufwärts gegeangen ist. Hoffentlich gehts so weiter.

Vier Kilo leichter und ein viel besseres Gefühl
Kloten
Goalie Dominic Nyffeler ist nach elf Jahren beim EHC Kloten zurück. Der 27-Jährige hat in dieser Saison bereits vier Shutouts gezeigt.

Klotens Goalie Dominic Nyffeler hält gut und macht sich auch viele Gedanken zu seinem Job im Torgehäuse, so wie hier bei einem Testspiel in Winterthur am 9. August dieses Jahres.

Dominic Nyffeler ist, wenn alles stimmt, sehr gut. In den zwei Jahren beim HC Ajoie war er die Nummer 1, dort hat er an Selbstvertrauen und Klasse gewonnen. Aber Nyffeler ist auch selbstkritisch, er spürt selber, wenn er etwas nicht optimal erledigt hat. Wie zum Beispiel am 21. September im Heimspiel von Kloten gegen Ajoie, seinen ehemaligen Club. Kloten verlor 4:6. «Ich habe nicht versucht, das Spiel zu lesen, sondern ich stellte mich darauf ein, was ich von den Spielern aus der gemeinsamen Zeit in Erinnerung hatte.» Das ist nicht gut gekommen. Und hat ihn in seinem Eindruck bestätigt. Er fühlte sich in der Ausrüstung einfach nicht wohl – er entschloss sich zum Wechsel.

«Ein Goalie braucht Spiele, um besser zu werden.»EHC-Kloten-Goalie Dominic Nyffeler nennt ein Erfolgsrezept, um die Fangqualität zu steigern.
Das war die Wende. Seither kann Kloten in jedem Match auf einen Topgoalie zählen. In allen neun Partien seit der Umstellung (einen Match fehlte er wegen Krankheit) hat er extrem stark gehalten. Fast jeden zweiten Auftritt beendete er ohne Gegentor: gegen Sierre, in Olten, gegen die GCK Lions und am Dienstag dieser Woche in Visp. Diese vier Shutouts sind nur einer weniger als in der gesamten letzten Saison. Zum Ausrüstungswechsel kam hinzu, dass Nyffeler im Sommertraining sein «Kampfgewicht» um vier Kilo senken konnte, «ich fühle mich auf dem Eis viel besser als letzte Saison».

Die Chance für den Aufstieg

Die «Zu-null-Spiele» sind für den Goalie nicht das Wichtigste, bedeutender erscheint ihm der «Save Percentage», der Wert, der darüber Auskunft gibt, wie viel Prozent aller Schüsse ein Torhüter abgewehrt hat. Von den Schlussleuten, die über zehn Partien absolvierten, ist der 27-jährige Nyffeler der beste. Das war schon letzte Saison in Ajoie so, deshalb hat ihn Klotens Sportchef Felix Hollenstein unbedingt verpflichten wollen. Und für «Dodo» wurde der Transfer zur besten Chance, in die National League zu kommen – mit einem Aufstieg. «Clubs aus der National League holen keinen Goalie aus der zweitbesten Liga als ihre Nummer 1.»
Melvin, der um zwei Jahre jüngere Bruder, hat es bei den Lakers zur Nummer 1 gebracht. «Ich weiss, dass ich Talent habe, aber er ist ehrgeiziger als ich», sagt Dominic. Und Melvin hatte vielleicht auch den geradlinigeren Weg. Er wurde in der GCK/ZSC-Organisation nach oben «durchgeschleust», er kam schon als 20-Jähriger zu seinen ersten Spielen in der NLA. Dominic sah in Kloten keinen Weg, Fabio Haller stand vor ihm. Deshalb wechselte er 2009 nach Winterthur, Rapperswil – und schliesslich 2012 nach Basel in die NLB. Er spielte nie an einer Junioren-WM. Ein Jahr in der kanadischen Junioren-Liga GMHL bei den Bradford Rattlers nützte er vor allem als Sprachaufenthalt, danach schloss er sich dem HC Thurgau, dann Olten an. «Ein Goalie braucht Spiele, um besser zu werden», sagt Dominic. Er musste sich den Job meistens teilen, bis er zu Ajoie kam.

Die 60 und die 68

Melvin, der auch einige Spiele für Kloten in der NLA absolviert hat, trägt als Rückennummer die 60, das Geburtsjahr des Vaters. Dominic die 68, das Geburtsjahr der Mutter. Die Brüder interessieren sich sehr für die Karriere des andern. «Melvin verfolgt meine Spiele, ich seine.» Und nicht selten kommt auch eine SMS. Mit Inhalten wie: «Dem Verteidiger hätte ich schon lange gesagt, dass er da weg soll!» Die Zusammenarbeit des Goalies mit den Vorderleuten ist extrem wichtig. «Ich habe es gerne, wenn ich mich auf den Schuss konzentrieren kann, und sie den Rest erledigen», sagt Dominic. «Und wenn es ums Blocken von Schüssen geht, dann sollen sie gerne die Pucks blockieren, die zu 100 Prozent auf ihren Körper gehen.» Aber sonst ist ihm die Sache überlassen. Nicht dass nahe am Tor ein eigener Spieler seinen Goalie mit einem Ablenker überrascht.
Einen Goalietrainer im Club hatte Dominic Nyffeler bisher sehr selten. Mit dem früheren Meistergoalie Reto Pavoni steht ihm in Kloten ein erfahrener Mann zur Seite. «Er ist mir vor allem eine mentale Unterstützung. Wenn ich ein Tor kassiert habe, weiss ich ja meistens selber, weshalb. Er schaut sich alles an, ich kriege Videozusammenschnitte.»
Die Rückkehr nach Kloten hat sich bisher für den Goalie wie auch für den Club zu einer höchst erfreulichen Angelegenheit entwickelt.

Infobox

Das Heimspiel von heute Freitag um 19.45 Uhr gegen Langenthal ist das nächste in der Serie der Spitzenspiele für den EHC Kloten. Gegen Thurgau (4:3) und in Visp (4:0) gab es Siege. Die Ausgangslage ist rechnerisch einfach, auf dem Eis ein bisschen schwieriger: Mit Siegen über Langenthal und am Sonntag auswärts gegen Ajoie wird Kloten Leader. Langenthal blickt auf eine einwandfreie Serie von neun Siegen in Folge zurück, nachdem es in den ersten vier Partien drei Niederlagen abgesetzt hat. Die zweitletzte war das 1:3 gegen Kloten, die bisher letzte das 2:4 gegen Thurgau. Das liegt mehr als einen Monat zurück. Bei Kloten kehrt Robin Figren definitiv ins Team zurück, er fehlte die letzten sieben Partien.
 

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Stammspieler
Wenn vier Penaltyschützen treffen
Der EHC Kloten verspielte in Pruntrut zwar eine 2:0-Führung, aber er reiste dennoch als Sieger zurück: Denn im Penaltyschiessen war er besser als der HC Ajoie und siegte 4:3 (2:0, 0:2, 1:1, 0:0).

Die Klotener dürfen in Pruntrut ihren siebten Sieg in Serie feiern
(Bild: Leo Wyden)


In Pruntrut wird gebaut, die Patinoire Voyeboeuf erhält ein neues Kleid und ein zweites Eisfeld. Die Pressetribüne, seit 1973 hinter dem einen Tor aufgebaut, ist verschwunden, die Medienleute sehen nun sogar etwas mehr vom Spiel. Doch die Leidenschaft, mit der die Anhänger ihre Mannschaft zum Sieg treiben wollen, ist ungebrochen. Das hat vor einer Woche im Cup zum Sieg nach Verlängerung über Lausanne gereicht. Gestern aber reichte es nur zu einer Aufholjagd und einer kurzen Hoffnung auf drei Punkte gegen Kloten. Dann aber glich Romano Lemm nach 59:18 in Überzahl (und ohne Goalie Nyffeler) zum 3:3 aus. Lemm vergab in der Verlängerung eine Überzahl-Chance. Aber nachher war er dann einer der vier Schützen, die alle im Penaltyschiessen trafen. Faille machte den Anfang, esfolgten Lemm und Figren. Ajoie versuchte alles und wollte Marco Lehmann mit einem Goaliewechsel von Wolf zu Aebi nervös machen - vergebens. Auch Lehmann traf, für Ajoie hatte Devos verschossen, davor hatte Klotens Goalie Nyffeler Frossard gestoppt.

Mit einem Sieg nach 60 Minuten hätte Kloten Platz 1 in der Swiss League übernommen. So behielt Ajoie, das im achten Heimspiel erst die zweite Niederlage kassierte, seine Leaderposition mit einem Punkt Vorsprung auf den gestrigen Sieger. Doch Kloten kann damit leben, dass es nur zwei Punkte gab. Es war immerhin der siebte Sieg in Folge, und in den letzten vier Partien gegen die Topteams Thurgau, in Visp, gegen Langenthal und nun Ajoie hiess der Sieger stets Kloten.
Premiere in Pruntrut
Dazu war es der erste Erfolg in Pruntrut in der Swiss League. Letzte Saison hatte Kloten 2:4 und 0:5 verloren. Dieses Mal sah es lange sehr gut aus - ähnlich wie beim andern Gastspiel Klotens im Jura. Damals hatte der EHC in La Chaux-de-Fonds nach 20 Minuten 2:0 geführt, gestern lag er nach dem ersten Drittel auch in Pruntrut 2:0 vorne. Éric Faille hatte Kloten mit seinem zehnten Saisontor 1:0 in Führung gebracht, er erwischte Ajoie im ersten Powerplay. Und danach leitete er im ersten Klotener Überzahlspiel das 2:0 mit einem Querpass auf Figren ein, der spielte vors Tor, wo Marco Lehmann perfekt ablenkte. Forget im ersten und Lehmann zweimal im zweiten Abschnitt hatten Chancen auf das 3:0, die sie alle nicht nutzten. Deshalb bekam Ajoie eine zweite Luft.
Auch darum sah es lange nach einer ähnlichen Wende wie in La Chaux-de-Fonds aus, wo Kloten noch als Verlierer vom Eis gegangen war. Das Publikum schrie und tobte, die Schiedsrichter gingen mit und schwächten mit einigen Entscheidungen, die einfach nicht korrekt waren, das Spiel der Gäste. Sturny musste für 10 Minuten auf die Bank, später Marchon ebenfalls. Dazu wurde Kindschi von einem Puck im Gesicht getroffen, er fiel nach 21 Minuten aus. Das alles führte zu einem unguten zweiten Klotener Drittel, in dem einige Verteidiger dem mentalen Druck nicht immer standhalten konnten. Ajoie glich aus. Und Ajoie ging nach 51 Minuten durch Hazen in Führung. Doch es blieb der einzige Treffer des einen Kanadiers auf Vorarbeit des zweiten (Devos). Denn irgendwann waren auch die Herren, die Skorerpunkt um Skorerpunkt holen, müde. Wenn Coach Sheehan sie weiter so forciert, wird auch diese Saison in einer Enttäuschung enden.
Kloten ist in dieser Hinsicht viel besser unterwegs und hat nun sieben Partien in Folge für sich entschieden. «Mit elf von zwölf möglichen Punkten aus den letzten vier Spielen kann ich leben», sagte Trainer Per Hanberg. Er hatte kurz vor Matchbeginn noch eine Umstellung vornehmen müssen, da Steve Kellenberger nicht mittun konnte. «Und auch das Geschehen im zweiten Drittel hat uns ein bisschen durcheinandergebracht.» Dass dann gleich vier Penaltyschützen tragen und der fünfte gar nicht mehr anzutreten hatte, amüsierte ihn. «Ich habe bei der Auswahl der Schützen auch lange überlegt.» Wer halt in letzter Minute ein verloren geglaubtes Spiel noch in die Verlängerung zwingt, der ist im psychologischen Vorteil und im Hoch.
 

Deecee

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«Mit elf von zwölf möglichen Punkten aus den letzten vier Spielen kann ich leben»
Ja, das kann man wohl so sagen :)

Die Mannschaft wirkt mental gefestigt, etwas das man die letzten Jahre kaum je behaupten konnte.
Figren mit einem sehr soliden Comeback - 5 Punkte in 2 Spielen. Ich habe das Gefühl sein Rückkehr macht die Mannschaft gleich nochmals ein bisschen gefährlicher, gerade im Powerplay.
 

Pasc94

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Ständig unterwegs in Sachen Eishockey
Tim Grossniklaus gehörte vor der Saison nicht zum Kader, doch dann holte ihn Kloten mit einer B-Lizenz aus Langnau.

Tim Grossniklaus spürt in Kloten das Vertrauen der Trainer. In fast allen Partien hat er die meiste Eiszeit aller Verteidiger.

Simon Kindschi könnte ein Lied davon singen. Der Bündner war in der letzten Saison einer, der mit B-Lizenz von Langnau zu Kloten wechselte. Einer, für den es in der National League nur Platz gab, wenn andere verletzt waren, einer, der deshalb in der Swiss League Spielpraxis sammeln sollte und konnte. Kindschi reiste hin und her zwischen Langnau und Kloten, manchmal wusste er am Morgen nicht, wo er am Abend sein würde.
Tim Grossniklaus hat es da in dieser Saison besser, obwohl auch er von Langnau mit einer B-Lizenz zu Kloten kam: Der Club stellt ihm in Kloten eine Wohnung zur Verfügung, er muss nicht noch immer ins Emmental reisen. Ausser, die Tigers brauchen ihn, weil das Personal knapp ist. An zwei Wochenenden war das der Fall, gespielt hat er zweimal für Langnau: Gegen Lausanne und im Cup gegen Olten. Gegen Genf war er auf der Bank und tat das, was kein Spieler gerne tut: zuschauen.
«Berner bleibt Berner»
Der Verteidiger hat in den letzten Jahren so manchen Club gesehen und für manches Team gespielt: Für den SC Bern in der National League (2014/15), für die SCRJ Lakers in der Swiss League (15/16 und 16/17), für den HC Davos und Genf-Servette (17/18), für den EHC Olten (18/19), für die SCL Tigers (19/20) und eben für Kloten. Er sagt: «Ein Berner bleibt ein Berner», und stellt damit klar, als was er sich trotz all dieser Wechsel noch immer fühlt.
Als es definitiv wurde, dass die Tigers für ihn keinen Platz haben, sei natürlich auch eine Rückkehr zu Olten Thema gewesen, «doch Kloten hat sich sehr für mich interessiert, Olten hat zudem kurz vorher Dan Weisskopf unter Vertrag genommen». Es sei für jeden Spieler ein gutes Gefühl, zu spüren, dass ein Club einen unbedingt will, sagt Grossniklaus. Und in Kloten setzen die Trainer auf ihn. In fast allen Partien hat er die meiste Eiszeit der Verteidiger. Gegen Winterthur kam er auf 36 Shifts und 23:30 Minuten Spielzeit.
«Ich will meine Leistung hier abrufen, in dem Team, in dem ich zum Einsatz komme, mein Bestes geben», erklärt der 24-Jährige. Er schiebt nach: «Ich lebe im Hier und Jetzt.» So kann man die Situation, ständig in Sachen Eishockey irgendwohin unterwegs zu sein, wohl am besten bewältigen. In Kloten möchte er seine offensive Begabung noch besser einbringen, ein Tor fehlt ihm noch.
Der Unfall 2015
Grossniklaus sagt es immer wieder: «Ich nehme positive wie negative Dinge als Erfahrung mit», er befindet sich noch immer in einem Lernprozess. Neben dem Eishockey absolviert er die BMS (Berufs-Maturitätsschule), die er im Frühling abschliessen wird. Es sieht so aus, als ob er danach ein Fernstudium Richtung Wirtschaft beginnen wird. «Das ist einmal der Plan, die Entscheidung fällt dann, wenn sie getroffen werde muss.» So geht es auch mit seinem Vertrag, der bei den SCL Tigers noch bis Ende Saison 2020/21 läuft. «Das schauen wir dann im Frühling an.» Das «Hier und Jetzt» ist sehr wohl bedingt durch das, was 2015 geschehen ist. In den Sommerferien brach sich Tim Grossniklaus in den Ferien in der Türkei bei einem Badeunfall den sechsten Halswirbel. Rückflug mit der Rega, notfallmässige Operation – er entging ganz knapp einer Lähmung. Fünf Monate benötigte er, um wieder in einem Meisterschaftsspiel antreten zu können. Im Training brauchte es den einen oder andern Check, um zu spüren, dass alles wieder in Ordnung ist, dann kamen die Ernstkämpfe und schliesslich die Erleichterung, dass wirklich alles hält.

Evensson und Eldebrink kommen
Kloten hat seine Heimschwäche Anfang September zu einer Heimstärke umgewandelt. Die letzten sieben Partien in der Swiss Arena endeten alle mit Siegen Klotens. Und acht Siege lang ist die Erfolgsserie des Clubs. Heute kommt mit Olten ein Gegner, der sechsmal in Folge gewonnen hat. Aber vor allem kommen auch ganz spezielle Gäste: Conny Evensson und Anders Eldebrink. Evensson machte aus Kloten ein Meisterteam, mit ihm an der Bande holte der EHC die Titel 1993 und 1994. Eldebrink gewann als Verteidiger drei Meistertitel, als Trainer führte er Kloten zweimal in den Final. Evensson und Eldebrink werden vor Spielbeginn auf dem Eis empfangen, CEO Pascal Signer übergibt den beiden ein Geschenk – und einer von ihnen wird den Puck einwerfen. Am Sonntag, am Swiss Ice Hockey Day, findet ab 11 Uhr der Skateathon statt, die «Legenden», Meisterhelden aus den Jahren mit Evensson, werden ab 12.30 Uhr laufen
 

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Der fünfte Klotener Sieg ohne Gegentor
Beim 3:0 in Biasca traf auch Klotens Neuzugang Marco Truttmann. Eine Schwäche hat der EHC dennoch.

Ein sicherer Rückhalt: Dominic Nyffeler. Bild: EHC Kloten


Kloten war gewarnt. Schliesslich hatte am 2. November Leader Ajoie in Biasca 2:3 verloren. Deshalb nahmen die Zürcher den ersten Match nach der Nationalteampause nicht mit gefährlicher Nonchalance, sondern konzentriert in Angriff. Das war die Grundlage dafür, dass der EHC in dieser Saison weiterhin zwar ab und zu verliert, aber das noch nie zweimal in Folge getan hat. Und mit dem 3:0 steht er natürlich weiterhin punktgleich mit Ajoie an der Tabellenspitze – mit 41 Punkten und einem Schnitt von 2,16 pro Match.

«Die ersten zwei Drittel waren nicht schlecht, aber auch nicht besonders gut», analysierte Trainer Per Hanberg den Match. Im Mitteldrittel nahm er ein Timeout. Das Ping-Pong, das Hin und Her, passte ihm nicht. Er sagte der Mannschaft, dass sie sich nicht stressen lassen soll. «Ruhig weiterspielen, das tun, was wir tun wollen, einfache Pässe.»
Grossniklaus, Truttmann
Und er wollte mehr Schüsse auf das Tor von Viktor Östlund sehen. Einen der ersten musste der Goalie, dessen Vater «Osten» Östlund einst in Fribourg gespielt hat, passieren lassen. Es war im ersten Klotener Powerplay des Abends.
Schütze war Tim Grossniklaus, der seinen ersten Treffer für sein Team erzielte. Es war schon fast logisch, dass Kloten ein zweites Überzahltor schoss, als Dario Meyer im letzten Drittel ein zweites Mal auf die Strafbank musste. So war es denn auch, Romano Lemm lenkte einen Schuss von Robin Figren ab.
Der letzte Treffer war dann eine Premiere für den neuesten Klotener: Marco Truttmann traf in der letzten Minute ins leere Tor. Der Stürmer, der am Vortag erstmals mit dem Team trainiert hatte, trat als Flügel neben Éric Faille und Ramon Knellwolf auf. Er hatte einige gute Abschlüsse und einige gute Pässe, er zeigte sein offensives Potenzial. «Er hat fast einen Monat nicht gespielt», rechnete Hanberg vor. «Er wird noch besser werden, er muss auch noch herausfinden, was wir von ihm wollen, wie er sich genau im System bewegen soll.»
Lehmanns Pause
Er wird sich noch einige Zeit am Flügel in einer der zwei Toplinien versuchen können. Denn Marco Lehmann wird länger fehlen. Im Match vor der Nationalteampause zog er sich einen Fingerbruch zu, er musste operiert werden. Mit rund sechs, sieben Wochen Ausfall muss der Trainer rechnen.
Still dürfte es um den schnellen Flügel allerdings nicht werden. Es sieht danach aus, als ob in den nächsten Tagen ein Club aus der National League den Zuzug des 20-Jährigen, der bisher so überzeugt hat, für die kommende Saison bekannt gibt.
Die Penaltys...
Das sind Sachen, mit denen sich Kloten konfrontiert sieht, Dinge, die eben passieren können, wenn man den Top-Spielern keine Garantie für die höchste Liga geben kann. Der Zufall wollte es, dass Lehmann gestern auch in einem anderen Bereich Thema war. Denn als Éric Faille in der 36. Minute einen Penalty nicht verwerten konnte, war das bereits der sechste in dieser Saison, der aus dem Spiel heraus ohne Ertrag blieb.
Faille (zwei) und eben Lehmann (zwei) sowie Füglister und Forget haben schon verschossen.Deshalb brauchte es gestern eine starke Defensivleistung mit einem erneut sicheren Goalie Dominic Nyffeler, um gegen einen Tabellenletzten, der extrem bissig auftrat, zu gewinnen. Es war bereits der fünfte Shutout von Nyffeler – in erst 19 Partien.
 
Isch zwar scho e Wuche alt, aber has susch nienez gseh: Teil1

ZSC-Coach Rikard Grönborg und Kloten-Trainer Per Hanberg unterhalten sich bei einem Lunch über ihre Heimat und das Schweizer Eishockey.

Simon Graf (TA)

Die Begrüssung ist herzlich. Rikard Grönborg und Per «Pelle» Hanberg kennen sich schon lange, trafen sich in Karlskrona auch schon zum Lunch und sprachen stundenlang über Eishockey, als der eine Nationaltrainer, der andere Coach des lokalen Teams in der höchsten Liga war. Nun coachen beide im Raum Zürich, in unterschiedlichen Ligen: Grönborg führt mit dem ZSC die National League an, Hanberg strebt mit dem EHC Kloten den Wiederaufstieg an. Wir haben beide zum Mittagessen im schwedischen Restaurant Tillsamman in Zürich zusammengeführt.

Per Hanberg, wir haben recherchiert, dass Ihre Frau die besten Zimtschnecken bäckt. Das schrieben Sie auf Twitter. Ist diese Info korrekt?

Per Hanberg: (lacht) Zu 100 Prozent! Wie Sie mir auch gut ansehen können. (tippt auf seinen Bauch) Als ich sie kennen lernte, war ich 15 Kilo leichter.

Rikard Grönborg: Meine Frau bäckt auch vorzügliche Zimtschnecken! American Style. Ich war mal 20 Kilo leichter.

Ist das Geheimnis viel Butter?

Hanberg:Viel Liebe.

Gibt es andere schwedische Traditionen, die Sie in die Schweiz mitgebracht haben?

Grönborg: Meine Frau ist ja Amerikanerin, wir pflegen Traditionen aus beiden Ländern. So feiern wir Weihnachten nach schwedischer und amerikanischer Art. In Schweden packt man die Geschenke am 24. Dezember aus, in den USA am Morgen des 25. Zweimal Weihnachten – das freut vor allem unsere ältere Tochter Chloe. (lacht)

Per Hanberg, Sie sind schon zweieinhalb Jahre in der Schweiz. Was ist Ihnen am meisten aufgefallen?

Hanberg: Der Respekt gegenüber anderen Menschen. Wenn ich spaziere, grüssen mich Leute, die ich nie zuvor getroffen habe. In Schweden erlebt man das kaum mehr. In den grösseren Städten getraut man sich abends kaum mehr aus dem Haus. Wie es in der Schweiz jetzt ist, so war es in Schweden vielleicht vor 30, 40 Jahren. Auf eine positive Weise. In Langenthal lassen die Blumengeschäfte die Blumen über Nacht draussen. Das würde in Schweden nicht mehr funktionieren.

Teilen Sie diesen Eindruck, Rikard Grönborg?

Grönborg: Wir Schweden sind schon etwas reserviert, wenn es darum geht, andere zu grüssen. Meine Frau ist da viel offensiver. Was Schweden betrifft: Natürlich hat es sich verändert. Aber ich fühle mich da immer noch sehr sicher.

Sie stammen beide ausStockholm. Wie lange kennen Sie sich schon?

Grönborg: Ich bin auf der richtigen Seite Stockholms aufgewachsen. (in Huddinge, südwestlich des Zentrums) Hanberg: Nein, ich. (in Solna, im Norden des Zentrums) Aber heute habe ich ein Haus nördlich von Stockholm, 45 Minuten per Auto. Grönborg: Ich kann nicht genau sagen, wie lange wir uns schon kennen. Vielleicht 40 Jahre. Er ist älter. Das sieht man ja.

Wie viel ein Jahr ausmacht!

Grönborg: (lacht) Genau. Mit 20 habe ich Schweden verlassen, um ins College zu gehen. Es muss vorher gewesen sein. Natürlich kannte ich Pelle von AIK Stockholm. Er war ein guter Spieler.

Per Hanberg ist im Training noch heute ein guter Torschütze. Und Sie?

Grönborg: Aus diesen Dingen halte ich mich raus. Ich war Defensivverteidiger, kein Stürmer. Ich war besser darin, die Gegner einzuschüchtern. Aber jetzt bin ich beim ZSC für die Offensive zuständig, das gefällt mir. Im Nationalteam hatte ich einen Coach für die Verteidiger und einen für die Stürmer. Ich liebe den Job beim ZSC, die tägliche Arbeit.

Hanberg: Headcoach zu sein, ist ein Lebensstil. Jeden Tag stellen sich einem neue Herausforderungen. Was mir dabei wichtig ist: Wir arbeiten mit Menschen, die Eishockey spielen, nicht mit Eishockeyspielern. Keiner ist gleich, einige benötigen mehr Zeit, andere weniger. Ich liebe es, zu sehen, wie sie täglich besser werden. Das hat Rikard sicher vermisst, als er Nationalcoach war. Obschon das natürlich der Job ist, von dem alle schwedischen Trainer träumen.

Auch Sie?

Hanberg: Ich weiss, dass man mir den Job nicht anbieten wird. Deshalb mache ich mir darüber keine Gedanken. Es gibt so viele gute Coaches in Schweden. Ich bin sehr glücklich mit dem, was ich habe. Es ist für mich eine Ehre, hier mit Rikard zu sitzen. Es ist sehr spannend, sich mit Coaches zu unterhalten, die mit den Besten der Welt gearbeitet haben.
 
Teil 2


Es werden schwedische Köstlichkeiten aufgetischt. Fleischklösschen mit Kartoffeln, eingelegter Hering, Gravadlachs, Saibling. Die beiden Coaches greifen zu.

Grönborg: Wunderbar! Ich war schon am Verhungern.

Was mögen Sie am meisten an der schwedischen Küche?

Grönborg: Es gibt immer frischen Fisch. Und die Kartoffeln, auf verschiedene Art zubereitet, gehören dazu. Es werden nicht viele Gewürze verwendet.

Haben Sie schon Schweizer Essen entdeckt, das Ihnen besonders schmeckt?

Hanberg: Fondue und Raclette. Raclette ist mein Favorit. Und ich mag auch Fleischvögel.

Grönborg: Ich habe mit Marcus Krüger und Fredrik Pettersson in einem Zürcher Restaurant ein Zürcher Geschnetzeltes für eine TV-Show gekocht, das ist sehr gut herausgekommen. Wir hatten einen Koch, der uns half. Pelle, wie war deine Saison bis jetzt? Du hast nun gegen alle gespielt, wie schätzt du dein Team ein?

Hanberg: Es ist eine Sache, ein gutes Niveau zu erreichen. Aber die Herausforderung ist, das Niveau zu halten. Wir haben es bis jetzt gut gemacht, aber wir können noch besser werden.

Grönborg: Genau so reden Coaches! (lacht) Wir sind nie happy. Aber so ist es: Wir streben immer nach Perfektion. Du kannst ein Spiel gewinnen und bist trotzdem nicht glücklich mit gewissen Dingen. Ich glaube, die Spieler wären auch enttäuscht, wenn ich sagen würde: «Alles ist gut, fahrt einfach so weiter.»

Haben Sie das noch nie gesagt?

Grönborg:Ich sage schon, wenn wir ein gutes Spiel gemacht haben. Aber ich schaue immer genau, was zum Resultat führte. Das ist unser Job. Wir werden die Perfektion nie erreichen. Aber wenn wir sie anstreben, sind wir auf dem richtigen Weg.

Hanberg: Viele sehen nur das Ergebnis. Aber wir müssen analysieren, was auf dem Eis geschah. Als ich jung war, fieberten wir alle mit Ingemar Stenmark mit. Ein grossartiger Skifahrer! Er konnte mit drei Sekunden Vorsprung gewinnen, aber trotzdem nicht zufrieden sein. Weil er dies oder das hätte besser machen können. Und manchmal, wenn er als Zweiter ins Ziel kam, war er ganz happy. Weil er den Eindruck hatte, dass er nicht hätte schneller fahren können. Ein Motto von mir lautet: Was wir nicht akzeptieren, wenn wir verlieren, sollten wir auch nicht akzeptieren, wenn wir gewinnen. Nach Siegen ist man versucht, das Spiel nicht so genau zu sezieren. Das ist gefährlich. Aber natürlich sollte man nach einem Sieg auch glücklich sein. Zumindest für einige Minuten.

Rikard Grönborg, wie lange sind Sie glücklich nach Siegen?

Grönborg: Das kommt aufs Spiel an. Was ich nie mache: Ich gehe nie unmittelbar nach dem Spiel in die Garderobe. Ob wir gewonnen oder verloren haben. Du bist so beeinflusst vom Resultat. Ich schaue mir zuerst das Video an, um zu sehen, was wirklich passiert ist. Wenn du direkt nach dem Spiel in die Kabine stürmst, sagst du vielleicht ein paar verrückte Dinge, die sich so gar nicht zugetragen haben.

Per Hanberg, sind Sie auch so emotional nach Spielen?

Hanberg: Ich arbeite daran. Wir lernen das ganze Leben lang hinzu. Auch, wie mit Frustration oder Wut umgehen. Während eines Spiels staut sich viel in einem auf. Ein kluger Kopf sagte zu mir: Triff keine wichtigen Entscheidungen nach 22 Uhr.

Die Schweizer Mentalität ist im Sport nicht die positivste. Wie gehen Sie damit um?

Grönborg: Mit dem Begriff «Schweizer Mentalität» kann ich nicht viel anfangen. Ich habe ja in den USA einen Master-Abschluss in Leadership gemacht und gerade in diesem Jahr meinen Studienkredit abbezahlt. Mit 51. Ich habe mich stark mit der Frage befasst, was Leute antreibt. Es gibt viele Studien. Der grösste Motivationsfaktor ist Verantwortung. Nicht Geld oder Ruhm. Mein Job ist es, den Spielern Verantwortung zu übertragen. Als ich aufwuchs, drehte sich im Coaching alles um Kontrolle. Natürlich ist es wichtig, Vorgaben zu machen. Wie wir forechecken, etwa. Aber noch wichtiger ist die Entwicklung der Spieler und der Gruppe. In Zürich habe ich bis jetzt nur erfreuliche Erfahrungen gemacht.

Was war Ihr speziellstes Hockey-Erlebnis in der Schweiz?

Hanberg: In Visp haben sie jetzt eine schöne neue Arena. Die alte war kalt, alles war sehr alt. Und die Banden schlecht. Wir haben da jeweils unserem Goalie gesagt, dass er besser im Tor bleibt, weil der Puck in unberechenbaren Winkeln von der Bande zurückprallt. Speziell ist es auch gegen die Farmteams. In der grossen Zuger Arena verlieren sich 200 Zuschauer, bei den Ticino Rockets 150, bei den GCK Lions vielleicht 150 und zwei Hunde. In Olten sind es 6000. Die Unterschiede sind riesig.

Wie war es in Ambri, Rikard Grönborg?

Grönborg: Wunderbar! Ich liebe die Ambri-Fans, wie sie mitgehen. Wenn du Leidenschaft fürs Eishockey hast, musst du das mögen. Es ist laut, es ist kalt.

Hanberg: Du musst einfach lange Unterhosen mitnehmen.

Dafür sind die Busreisen hier nicht so lang wie in Schweden.

Hanberg: Die Fahrt zum Spiel in Ajoie dauert zwei Stunden, aber wir stoppen dennoch für eine 30-minütige Kaffeepause. Da musste ich schmunzeln. In Schweden fliegen viele Teams die langen Strecken. Aber in der zweiten Liga ist es normal, sechs bis acht Stunden im Bus zu reisen. Wir sind lange Fahrten gewohnt. In der Schweiz fühlt es sich an wie Ferien. Grönborg: Mein längster Bustrip dauerte 36 Stunden. Von Zentraltexas bis nach British Columbia. Ein Weg. Und wir mussten die Reise in jener Saison viermal absolvieren. Im Bus gab es keine Betten. Wir schalteten nur einen Stopp ein, um zu trainieren. Das wars. Wenn jemand jammert über eine Busreise, krame ich jeweils diese Geschichte hervor.

Ihre Teams spielen in unterschiedlichen Ligen, sind aber ähnlich unterwegs. Beide haben 2,11 Punkte pro Spiel geholt.

Grönborg: Ihr habt mit der Einladung für dieses Mittagessen so lange gewartet, bis wir beide genau gleich weit sind, oder?

Genau.

Grönborg: Zum Glück haben wir in Ambri kurz vor Schluss noch das Siegestor geschossen. Im Ernst: Jede Partie in unserer Liga ist eine ganz enge Angelegenheit. Ambri ist Letzter, aber das war ein unglaublich harter Kampf! Für die Fans ist das wunderbar. Jeder kann jeden schlagen. Mit Ausnahme von drei Spielen haben wir immer gepunktet, diese Kontinuität freut mich sehr.

Hanberg: Wir haben von den letzten 14 Spielen nur zwei verloren. Beim 5:1 über Langenthal waren wir fast über 60 Minuten perfekt, das war unser bester Auftritt. Ich mag mein Team, meine Spieler lieben es, zuzuhören, etwas zu versuchen. Und sie können auch ein Spiel drehen, in dem sie schlecht begonnen haben. Das macht mich stolz.

Wird es nächste Saison wieder ein Zürcher Derby geben in der National League?

Hanberg: Jeder Kloten-Fan hofft das, ich auch. Wir befinden uns in einem Prozess. Das Ziel ist, Kloten wieder gross zu machen. Die Vision des Clubs ist klar. Und im Sport ist nichts unmöglich. Wir werden sehen, wie gut wir im Frühling sind. Ein Zürcher Derby, das wäre natürlich grossartig! Oder nicht, Rikard?

Grönborg: Das wäre genial. Kloten mit seiner Tradition und der Rivalität zu uns, mich würde das sehr freuen. Und Kloten ist in guten Händen bei Pelle.

Wohin führt die Reise des ZSC in dieser Saison?

Grönborg:Das ist der Unterschied zwischen einem Journalisten und einem Coach. Der Journalist spekuliert darüber, ob wir die Meisterschaft gewinnen können. Das Einzige, was ich weiss: Ich werde morgen wieder um 6 Uhr aufwachen und um 6.30 Uhr meinen ersten Kaffee im Trainerbüro trinken. Ich kann nur versprechen, dass ich mein absolut Bestes gebe, um die Spieler besser zu machen. Wo diese Reise endet, wissen wir nicht. Aber bis jetzt bin ich sehr zufrieden, und ich habe auch gute Rückmeldungen von den Spielern erhalten.

Und nun zur entscheidenden Frage: Wie gut haben Ihnen diese Zimtschneckengeschmeckt?

Grönborg:(flüstert) Die meiner Frau sind besser.

Hanberg: Rang 2 für diese hier. (lacht)

Grönborg:Das Essen war ausgezeichnet. Alles auf authentische schwedische Weise zubereitet.
 
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